Wie sehen Sie die Rolle und Verantwortung der Eltern im Zusammenhang mit der Schule?

Wir alle sind immer noch stark durch die Industriegesellschaft geprägt, Schule und Eltern. Es ist nicht einfach für die Lehrer die notwendigen Veränderungen vor den Eltern zu vertreten und korrigierend in die Gesellschaft hineinzuwirken. Ich denke, das es auch schwieriger geworden ist, weil die existentiellen Ängste generell zugenommen haben, und sich damit der Druck auf die Eltern erhöht hat. Und den geben sie an die Kinder weiter. Aber es gibt immer noch viele Eltern, die diese innere Freiheit haben. Das sollte man nicht unterschätzen. Sie sind mit der Schule nicht zufrieden, weil sie genau spüren, dass da etwas schief läuft. Und zwar nicht im Sinne von Leistung, sondern im Sinne der Zielsetzung. Gleichzeitig entsteht natürlich eine Ambivalenz, weil die Eltern die Chancen des Kindes nicht gefährden wollen.

Dennoch haben Eltern und insbesondere Mütter oft ein sehr gutes Gespür dafür, was ihre Kinder brauchen. Eltern benötigen Unterstützung und dürfen nicht alleine gelassen werden.

Ich glaube auch, dass Eltern das richtig spüren. Das Problem ist – vor allem auch der Frau -, dass sie das, was sie spüren, in unserem System nicht umsetzen können. Es fehlt unter anderem am Selbstvertrauen. Das ist für die ganze Gesellschaft tragisch. Dabei sind es ja fast ausschliesslich die Frauen, die die Kinder grossziehen, in der Familie und Schule. Im Grunde genommen ist das Kind 12 Jahre überwiegend von Frauen betreut.

Wieso nehmen die Frauen nicht mehr Einfluss auf die Schule? Sie sollten sich nicht mehr mit der Feststellung zufrieden geben: Ja, wir spüren die Bedürfnisse der Kinder und die Defizite in der schulischen Situation, der familienergänzende Betreuung der Kinder  etc. Ich würde mir wünschen, dass die Frauen politisch aktiver werden. Sie könnten sehr viel bewirken, und vor allem, sie könnten unsere Gesellschaft kindgerechter machen.

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