Was muss ein Pädagoge mitbringen, dass er die Stufen genau kennt und auch erkennt?
Das Problem ist, dass wir nur das wahrnehmen, was wir auch kennen bzw. von dem wir wissen, dass es vorkommt.
Nehmen wir ein Beispiel aus der Medizin: Ein Medizinstudent sieht den auffälligsten Befund nicht, wenn er ihn nicht kennt. Das lässt sich auch auf die Pädagogik übertragen. Wenn Sie wissen, wie sich das Selbstverständnis bei Kindern im Verlaufe der Jahre aufbaut, dann können Sie in wenigen Minuten herausfinden, wo das Kind gerade steht. Wenn Sie es nicht wissen, gehen Sie von einer selbstgemachten Annahme aus und laufen Gefahr, dem Kind nicht gerecht zu werden.
Jeder Lehrer aber, der Erfahrung mitbringt, verfügt über eben dieses Wissen. Der erste Schritt ist immer, das Kind richtig wahrzunehmen. Dabei sind Kinder nicht nur untereinander variabel, sondern viele Kinder sind auch in sich unterschiedlich entwickelt.
Ich kenne 8-jährige Kinder, die in gewissen Bereichen wie 14-, 16-Jährige denken und handeln, in anderen Bereichen wie 6-Jährige.
In der Schule mit größeren Klassen können diese Unterschiede zwischen den Kindern und beim einzelnen Kind zu einer grossen pädagogischen Herausforderung werden. Entweder sucht man nach Mitteln und Wegen, um den Kindern in ihrer Unterschiedlichkeit gerecht zu werden und man hat auch die Möglichkeiten dazu, oder aber man ignoriert diese Unterschiede. Dann fängt die Vergewaltigung an, und zwar nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei der Lehrkraft selbst.
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