Wie wandeln sich die Grundbedürfnisse der Kinder von der frühen Kindheit bis zu den ersten Jahren der Schulzeit?
Wie können Eltern und Lehrer diese Bedürfnisse unterstützen?
Ich gehe von drei Bereichen aus.
1. Die Geborgenheit im weitesten Sinne:
Dabei gibt es zwei Komponenten: Erstens die soziale Geborgenheit, die von Menschen vermittelt wird. Die Entwicklung beim heranwachsenden Kind geht von 1 bis 2 zu immer mehr Bezugspersonen. Bei einem Schulkind ist die Situation insofern speziell, als die Lehrerin als anfänglich fremde Personen Geborgenheit vermitteln muss und dies gleich für 20 und mehr Kinder.
Die zweite Komponente der Geborgenheit ist ein nicht soziales Element: Vertrautheit. Man spricht dem oft eine positive Qualität zu, aber Vertrautheit ist im Grunde genommen qualitätslos. Vertrautheit hat auch in Bezug auf Menschen nichts mit Qualität zu tun, denn sie entwickelt sich durch das, was man am meisten erlebt. So binden sich Kinder an Eltern, die sie misshandeln, genauso, wenn nicht sogar noch stärker. Auch wenn es ihnen dabei ganz schlecht geht.
In der Schule ist es genau gleich: die Kinder werden auch hier gebunden – nicht durch die Qualität, sondern durch die Vertrautheit.
Eben deshalb muss man zwei Dinge voneinander unterscheiden: Bindung ist nicht gleich Qualität. Die Qualität definiert das Maß des Wohlbefindens, aber nicht das Maß der Bindung. Daher ist es wichtig, Wohlbefinden zu schaffen durch hohe Qualifikation.
2. Die soziale Akzeptanz
Für die Kinder geht es vor allem um die Frage: Wie sehr werden sie von den anderen angenommen? Und das bezieht sich nicht nur auf Erwachsene. Es gibt Kinder, die brauchen die Anerkennung von Erwachsenen sehr viel stärker als andere. Dann wiederum gibt es Kinder, die sich sehr gut integrieren, denen vor allem die anderen Kinder sehr wichtig sind und die erstaunlich unabhängig sind von erwachsenen Bezugspersonen. Geborgenheit und soziale Akzeptanz sind nicht die gleichen Dinge; beide Komponenten können bei Kindern sehr unterschiedlich ausgeprägt sein.
3. Die Entwicklung an sich bzw. das Bedürfnis zu lernen, und wie dieser Prozess abläuft:
Für das Kind ist beim Lernen das Wie genauso wichtig wie das Was. In jedem Alter sollte das Lernen selbst bestimmt geschehen. Dazu braucht das Kind eine entsprechende Umgebung, die es noch nicht selbst herstellen kann. Das Kind verhält sich immer entsprechend seinem Entwicklungsstand. Wenn wir uns darauf einstellen, erzeugen wir die Grundlagen für ein „kindgemäßes“ Lernen.
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