Nach Pisa ist die Schule in der Unsicherheit: es müssen Veränderungen kommen, es wurde deutlich gezeigt, dass
etwas nicht im Lot ist, nicht einmal bei der Wissensvermittlung.
Die Frage ist: Wie kann jetzt die Schule wirklich zum Lernort fürs Leben werden? Wie kann die Schule Kinder unterstützen, ihr Leben schöpferisch gestalten zu können, im Leben bestehen zu können?

Das ist ein sehr schwieriges Problem, weil es in unserem Lande wohl zu viele Menschen gibt, die selbst nicht allzu viel von Schule halten, selbst nicht allzu begeisterte Lerner sind, und die selber auch nicht so ein großes Gefühl haben, dass es Spaß macht, neugierig zu sein und etwas gestalten zu wollen. Das ist, denke ich, der wesentliche Grund, warum wir an unseren Schulen so viele Probleme haben. Dazu gehören möglicherweise auch einige Lehrer, die an ihrer eigenen Arbeit in der Schule vielleicht die Lust verloren haben. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass in Deutschland die Schüler im Durchschnitt ihren Lehrern so furchtbar schlechte Noten erteilt haben. Als sie im Rahmen dieser Pisa-Untersuchung die Frage beantworten sollten: „Wie gut fühlst du dich, lieber Schüler, in deinen Lernanstrengungen durch deinen Lehrer unterstützt?“, da haben die Schüler in Deutschland den Lehrern im Durchschnitt 5-en und 6-en gegeben. Wenn ein solches Ergebnis veröffentlicht wird, stellt man fest, dass gar kein Aufschrei durch die Öffentlichkeit geht, weil die meisten Erwachsenen es für normal halten, dass Schule keinen Spaß macht und dass man durch die Lehrer nicht unterstützt wird. Das ist das eigentlich Fatale, denn in den skandinavischen Ländern, überall dort, wo die Kinder besser abgeschnitten haben als in Deutschland, haben die Schüler ihren Lehrern außerordentlich gute Noten erteilt; die sind also der Meinung, dass sie wunderbar von ihren Lehrern unterstützt werden, und es sind auch die Eltern überzeugt, dass die Lehrer einen sehr guten Job machen. Also ist in unserem Lande ist irgendetwas auf der Stufe der Einstellungen und der Beziehungen zwischen Eltern und Lehrern und deshalb möglicherweise auch zwischen Lehrern und Schülern nicht in Ordnung. Und um das noch ein bisschen zu illustrieren gebe ich Ihnen ein Beispiel.

Es gibt eine Untersuchung, bei der ein Teil der Eltern an einer Schule gebeten wurde, einen bestimmten Lehrer anzurufen und diesem mitzuteilen – die Formulierungen waren vorgegeben –, sie möchten gerne einmal zum Ausdruck bringen, dass ihr Kind unglaublich gern zu ihm in den Unterricht geht, dass es sich immer schon freut, wenn wieder dessen Stunde ist. Der andere Teil der Eltern hat dies nicht gemacht. Nach einem halben Jahr hatten sich all die Schüler, deren Eltern diese positive Rückmeldung an den Lehrer gegeben hatten, um mindestens zwei Noten verbessert. Das zeigt ziemlich deutlich, welche Möglichkeiten Eltern haben, die Lehrer zu motivieren, wenn sie die Lehrer als Verbündete in diesem Erziehungsprozess betrachten; und das gilt natürlich auch für die Erzieherinnen und Erzieher in den Kindergärten. Im Grunde müssten – und das wäre meine allererste Forderung – Bündnisse hergestellt werden, es müssen die Beziehungen erst mal verbessert werden zwischen den Eltern und den Personen, die sich neben den Eltern noch um die Vermittlung spezieller Fertigkeiten und Fähigkeiten bei den Kindern kümmern. Es müssen alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Denn in dem Augenblick, wo Eltern in Gegenwart des Kindes den Lehrer abwerten, verliert dieser Lehrer sämtliche Achtung in den Augen des Kindes. Und von einem Menschen, vor dem man keine Achtung mehr hat, kann man nichts lernen. Im Grunde könnten Eltern, die ihren Kindern deutlich machen, dass irgendein Lehrer an dieser Schule nicht zu achten ist, ihre Kinder genauso gut zu Hause lassen, das wäre wahrscheinlich besser; in dem betreffenden Fach bei dem betreffenden Lehrer lernt das Kind wahrscheinlich nichts mehr. Höchstens noch, wie es diesen Lehrer am besten ärgern kann.

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