Sie haben gesagt, dass es Grundmuster gibt „die nur schwer auflösbar sind“. Ist im Gehirn etwas wieder auflösbar?
Wir nennen das aualösbar, im Grunde ist es nicht aualösbar, es wird überschrieben, d.h. eine Erfahrung, die einmal gemacht worden ist, wird verankert und zur Grundlage für die nächsten Erfahrungen. Deshalb ist es sehr wahrscheinlich, dass, wenn man einmal anfängt, im Hirn die Erfahrung zu verankern, dass man nichts bewirken kann, andere Erfahrungen sozusagen als self fulfilling prophecy an diese alte Erfahrung angehängt werden; man bekommt dann immer stärker das Gefühl, dass man nichts bewirken kann. Nur mit viel Glück gelingt es einem dann im späteren Leben in andere Situationen zu kommen, wo man merkt: „ah, ich kann ja doch etwas bewirken.“
Das wird als weitere Erfahrung auch im Hirn abgespeichert und dann hängt es davon ab, welche Erfahrungen überwiegen, also welche innere Haltung als primäre, dominante Haltung entsteht. So kennen wir Kinder, die offenbar viel zu häufig die Erfahrung gemacht haben, dass sie nichts bewirken können, und die verhalten sich v.a. passiv, abwartend; und es gibt andere, die das Gefühl entwickelt haben, dass doch sehr viel durch sie zu bewegen ist, und die werden immer gestalterisch in die Prozesse eingreifen. Es sind innere Haltungen, die da entstehen, und die sind als neuronale Netze im Hirn verankert.